24.03.2015

von B° RB

Der Menschenmacher als menschgemachte Figur

Georg Jenisch inszeniert im Carl Orff-Jahr 2015 „Prometheus“ als außergewöhnliches Figurentheater

Prometheus

„Hier wird der Schauplatz der Tragödie zum Schauplatz der Welt.“
Anlässlich des 120. Geburtstages von Carl Orff (1895 bis 1982) dürfen sich Kulturbegeisterte in Oberbayern auf ein besonderes Highlight freuen: Georg Jenisch setzt Carl Orffs Musiktheater „Prometheus“ nach Aischylos mit bis zu drei Meter großen Figuren in Szene.

Das Stück feiert am 27. März Premiere in Dießen am Ammersee, dem langjährigen Wohnort Carl Orffs. Im April und Juli hält das Figurentheater Einzug in der stimmungsvollen Allerheiligen Hofkirche in der Münchner Residenz.

Der gefesselte Prometheus

Das Drama widmet sich der Fesselung des Prometheus, der für seinen Einsatz um die Menschen durch göttliche Hand gefoltert wird – ein Manifest des Leidens und der Ausweglosigkeit. Gleich zu Beginn der Inszenierung wird die überlebensgroße Figur des Lichtbringers und Menschenmachers an den Felsen im Kaukasus geschlagen. Er tritt im Laufe des Stückes mit unterschiedlichen mythologischen Wesen, wie Io, Hermes und Okeanos, in Dialog. In den Zwiegesprächen werden die Aspekte, die Ursachen und der künftige Sinn seiner jetzigen Qualen erläutert. In diesem Zusammenhang kommt es zudem zu einem Machtkampf zwischen Göttern, Halbgöttern und Menschen. Gemeinsam mit dem szenischen Bild entsteht ein Figurentheater, das mit explosiver Wucht und Fremdartigkeit besticht.

Das belebte Bildwerk

Neben Antigone und Ödipus zählt Prometheus zu den wichtigsten Werken Carl Orffs. Inspiriert von der engen Verknüpfung von Wort, Musik und Geste, greift das 1968 uraufgeführte Stück auf den altgriechischen Originaltext von Aischylos zurück und nähert sich so dem Grundbild der antiken Tragödie an. Unterschiedliche Instrumente verschiedenster Herkunft ermöglichen ein breites und überaus gestisches Klangkolorit.

Georg Jenisch formt aus den musikalischen Worten eindrucksvolle Bilder. Hierbei folgt er detailgetreu dem Text des Aischylos sowie der Orffschen Vertonung. Die Folge ist eine Bebilderung der griechischen Passion. Georg Jenisch verzichtet dabei gänzlich auf ein Bühnenbild. Einzig der Raum und die Figuren lassen dichte Szenen entstehen, die an eine antike Form des Kreuzwegs erinnern.

Die Inszenierung bedient sich an einem Arsenal verschiedener Figurenteile, wie Torsi, verwitterte Köpfe, Hände und Füße. Von schwarz gekleideten Spielern offen geführt, werden diese Bruchstücke belebt und setzen sich zu Gestalten der antiken Götterwelt zusammen.

Sie werden bespielt, können aber im selben Augenblick auch wieder auseinander fallen und sich in einer anderen Anordnung zu einer weiteren Figur zusammenfügen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der höchstmöglichen Abstrahierung und Reduzierung der verwendeten „Bruchstücke“. Ein Kopf, eine Hand – und der Betrachter erkennt darin eine gesamte Figur. Durch dieses Spiel, das erst in der Phantasie des Zusehers ein Ganzes ergibt, wird auch die Frage aufgeworfen, wie viel menschlicher Gedanke und Vorstellungswillen in der Idee von allem Göttlichen liegt. Ganz wie im weltumspannenden Wissen von Prometheus, sind von Anfang an alle Elemente des Figurenspiels ausgebreitet und geben erst in der jeweiligen Zusammensetzung ihre wahre Bedeutung preis. Georg Jenisch, verantwortlich für Konzeption, Regie und Figurenbau, entwickelt so ein besonderes
Spiel mit Formen, Fragmenten und der Phantasie des Zusehers.

Prometheus und die Leiden Christi

Das Stück stellt deutlich die Parallelen zwischen Prometheus und Jesus heraus. Beide rebellieren gegen neue und sich als tyrannisch erweisende Herrscher. Beide versuchen durch ihre Taten oder Worte den Menschen zu Selbstreflexion und Autonomie zu verhelfen.

Beiden wird das zum Verhängnis und führt schlussendlich zu ihrer Kreuzigung bzw.
Fesselung an den Felsen. Auch die Bedeutung des Feuers hat in beiden Fällen eine
ähnliche, reinigende und geistige Kraft spendende Wirkung.

Das Figurentheater wird am Freitag, 27, März, um 19.30 Uhr, Samstag, 28. März, um 19.30 Uhr und Sonntag, 29. März, um 16.00 Uhr im Augustinum Ammersee in Dießen am Ammersee aufgeführt. Tickets hierfür sind für 24 Euro erhältlich.

Die Vorstellungen in der Allerheiligen Hofkirche in der Münchner Residenz finden am
Karfreitag, 3. April, um 11.00 Uhr und 19.00 Uhr sowie am Samstag, 10. Juli – dem 120. Geburtstag von Carl Orff – um 17.00 Uhr und 21.00 Uhr statt. Die Tickets kosten 36 Euro (Kategorie 1), 28 Euro (Kategorie 2) bzw. 16 Euro (Kategorie 3).

Alle Eintrittskarten sind bei MünchenTicket sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen und für die Aufführungen in Dießen am Ammersee an der Rezeption des Augustinum, in der Buchhandlung Oswald und beim Ammerseekurier erhältlich.

Passend zum Thema

Traumfabrik: das phantastische Showtheater auf Bayern-Tournee. Zu Gast in Augsburg

Traumfabrik: das phantastische Showtheater auf Bayern-Tournee. Ab 5. Januar 2015 in Amberg

"Schneewittchen - das Musical" gastiert in Hof

Mehr aus der Rubrik

Leider kein passender Artikel gefunden.
Weitere Artikel finden Sie hier.

Haben Sie einen Artikel, der hierher passen würde? Bitte informieren Sie unsere Redaktion, vielen Dank!
Teilen: